Tief im Berliner Westen steht eine moderne Villa mit viel Gold an der Fassade und eigener Tiefgarage. Der Eigentümer, Gründer eines Tech-Konzerns mit über 2000 Mitarbeiter*innen, liebt Autos. Besonders schnelle Autos von BMW. Sein Name: Ivan Montik. Seine Firma: Softswiss.
Eine Firma, von der selbst Menschen, die seit Langem Teil der Berliner Tech-Szene sind, noch nie gehört haben. Die Suche im deutschen Handelsregister liefert für Softswiss keine Treffer. Und in Berlin gibt es weder Büro noch Angestellte. Montik selbst bezeichnete Softswiss im Wirecard-Prozess, in dem er am 24. September 2025 als Zeuge geladen war, als Brand (Marke) und eine Software – und eben nicht als Firma.
Wenn man nur ansatzweise herausfinden möchte, wie viele Firmen das Netzwerk um die Brand „Softswiss“ umfasst, dann ist man damit Monate beschäftigt. Und wird trotzdem nicht alle finden. Dann begibt man sich auf eine Weltreise durch die Handelsregister von Deutschland, Malta, Zypern, Curaçao, Estland, der Isle of Man, Polen, Litauen und sogar in reine Lizenzjurisdiktionen wie Anjouan (Insel der Komoren), Kahnawake oder Tobique (Reservate in Kanada).
Die Firmen um Softswiss, aktuell mindestens 55, schreiben Software. Sie managen, betreiben und bewerben. Sie wickeln Zahlungen ab, in Echtgeld und Crypto. Für Online-Casinos. In Deutschland ausschließlich illegale Online-Casinos. Online-Casinos, in denen auch sehr viele Menschen aus Deutschland spielen. 2025 verloren Spieler*innen in diesen Casinos nach unserer Berechnung mehr als 1,75 Milliarden Euro. Das entspricht laut Jahresbericht der Glücksspielbehörde etwa den Spielverlusten aller legalen Online-Casinos in Deutschland zusammen.
Und das, obwohl sich der Softswiss-Konzern nach außen oberflächlich als reiner Softwareanbieter präsentiert. Das geht mittlerweile so weit, dass Montik und seinen Geschäftspartnern die Firmen, die operativ Glücksspiel betreiben, offiziell nicht oder nicht mehr gehören. Interne Unterlagen der Glücksspielbehörden aus Malta und Curaçao zeigen allerdings, wie eng der offizielle Teil des Software-Konzerns mit den Firmen, die Casinos betreiben, verbunden ist.
An vielen Unternehmen hält Montik 40 bis 50 Prozent. Der Rest gehört seinen Geschäftspartnern, Dzmitry Yaikau, ehemaliger CTO von Softswiss, der offiziell in unscheinbaren Wohnungen in Zwickau und München lebt. Und Pavel Kashuba, CFO, dessen letzte bekannte Anschrift in Zypern ist.
Von der Outsourcing-Agentur zum Casino-Konzern
Die Geschichte von Softswiss beginnt um das Jahr 2009 in Minsk, Belarus. Die Heimat von Ivan Montik. Damals noch als ein Outsourcing-Unternehmen, welches unter anderem für deutsche Firmen Software entwickelt. Bis die Webseite im Jahr 2012 verkündet: „SoftSwiss bekommt Finanzierung für ein innovatives Projekt im Online Gambling Bereich!“ Seit 2013 verkauft Softswiss nach eigenen Angaben diese Online-Gambling-Software. Eine sogenannte Casino-Plattform.
Eine Casino-Plattform ist das Kernstück eines Online-Casinos. Dort legen die Spieler*innen einen Account an. Die Plattform erfasst, wie viel Geld sie ins Casino eingezahlt und verloren haben. Und es ist auch das System, in dem man sich das Spiel aussucht, in dem man sein Geld verlieren möchte. Dazu kommen Tools für Marketing, Verwaltung und Statistiken - oft auch das Casino-Backend genannt. Über die Casino-Plattform von Softswiss lassen sich neben Automatenglücksspiel auch Sportwetten, Gesellschaftswetten (zum Beispiel politische Ereignisse) sowie klassische Casinospiele umsetzen.
Die Evolution der SoftSwiss-Website von 2011 bis 2026
Von da an wächst das Unternehmen Jahr für Jahr. Tritt auf den großen Messen der Glücksspielindustrie auf und expandiert in immer neue Länder. Auf einem von Softswiss im Januar 2014 geteilten Foto ist Ivan Montik an einem kleinen Messestand auf der IMA, der Internationalen Fachmesse Unterhaltungs- und Warenautomaten in Düsseldorf, zu sehen. Zusammen mit einem Mann namens „Werner Hermann“, der in der Beschreibung des Bildes als „SoftSwiss Partner for German Region“ vorgestellt wird. Was man auf den Fotos sieht, wirkt wie ein Startup zu dieser Zeit auf seinem ersten Messestand. Mit einfach designten Flyern. Vier Leute, die gemeinsam eine Produktpräsentation auf einem Monitor ansehen und überall das Bitcoin-Logo. Denn die Bezahlung per Cryptowährung war von Beginn an ein wichtiges Feature in Montiks Casinos.
Laut Ausstellerverzeichnis war der Stand von einer Softswiss e.U. (eingetragener Unternehmer) aus Pöttelsdorf, Österreich, angemietet worden. In Pöttelsdorf im Burgenland sitzt bis heute in einem Einfamilienhaus in einer Siedlung am Rande des Ortes eine Firma mit einer wichtigen Rolle im Softswiss-Ökosystem. Die 2018 gegründete A.R. Merkeleon GmbH. A.R. steht für Alexander Riedinger, den Geschäftsführer und 50-prozentigen Anteilseigner der Merkeleon. Der Rest gehört Montik, Yaikau und Kashuba.
Wenige Wochen nach der Messe wurde die Firma Softswiss N.V. auf der Karibikinsel Curaçao gegründet. Ihr Geschäftszweck: Der Betrieb und die Vermarktung von Online-Casinos sowie alle dazugehörigen Tätigkeiten. Ihr Eigentümer: Ivan Montik. Curaçao ist damals und auch heute in der Glücksspielszene bekannt dafür, eine Casinolizenz auszustellen, die aus der Sicht von Curaçao für viele Länder der Welt, aber nicht für Curaçao selbst gilt. Eine so lizenzierte Webseite macht Online-Glücksspiel zwar fast nirgends legal, allerdings kann sie durchaus nützlich sein. Denn mit solch einer Lizenz kann man einfacher Server mieten oder eine Bank finden, die ein Konto für die Einnahmen aus Glücksspielgeschäften bereitstellt. Im Fall der Softswiss N.V., die seit 2018 unter dem Namen Direx N.V. auftritt, ist das primär die Wirecard Bank AG.
Im Jahr 2015 gründete der Baden-Württemberger Werner Hermann - der Softswiss-Vertriebspartner für Deutschland und ehemaliger Betreiber analoger Spielautomaten in Süddeutschland - auch eine Firma. Sie trägt den Namen IDDQD UG und hat unter anderem die Geschäftszwecke Softwareentwicklung und „ePayment Solution“. Einige Jahre später wird Montik bei einer Glücksspielbehörde angeben, er arbeite seit Februar 2016 für diese Firma mit Sitz in Zwickau als „IT Projects Manager“. Das überschneidet sich mit Aussagen Montiks, dass er seit 2016 in Deutschland lebe.
Vor seinem Job bei Hermann hat er laut dem Formular für Alexander Riedinger zwischen Mai 2013 und Dezember 2015 als „Global Regional Manager“ gearbeitet. Doch während Riedingers Firma bis heute existiert, wurde die IDDQD UG 2023 liquidiert - ohne jemals nennenswerte Umsätze zu erzielen. Der Name IDDQD ist laut ehemaliger Webseite der Firma eine Anspielung auf den Godmode im Spiel Doom. Die Webadressen wurden über denselben Cloudflare-Account verwaltet wie die Webadressen einiger Casinos, die dem Softswiss-Netzwerk zuzuordnen sind.
In den Jahren darauf werden immer mehr Firmen gegründet. Es entstehen Büros in Malta, Georgien und Polen. Das Angebot von Softswiss wuchs von einer Casino-Software zu einem Full-Service-Anbieter, der sich auch um Lizenzen, Zahlungsabwicklung, Support und Spiele kümmert. Softswiss verkauft also nun nicht nur die Software, sondern die Dienstleistung, ein Casino zu betreiben. Mit allem, was dazu nötig ist. Von 2017 bis 2020 wird das heutige Geschäftsmodell der „White-Label-Casinos“ auch direkt auf der Startseite beworben.
Montik verkauft seine Casinos
Ende 2019 gründete Montik eine neue Firma in Curaçao. Die Dama N.V. Etwa zur selben Zeit, zu der die Wirecard zusammenbrach, wechselten alle Casinos, die er in der Direx N.V. verwaltete, zur Dama. Nutzer*innen in Glücksspielforen tauschten sich darüber aus, dass sie keinerlei Änderungen bei den Casinos und im Support feststellen konnten und sich wirklich nur die Lizenz geändert habe.
Am 1. Juli 2021 trat in Deutschland der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft. Erstmals gab es damit eine bundesweit einheitliche Regelung, wie Glücksspiel im Internet legal mit einer deutschen Lizenz betrieben werden kann. Zuvor war das zwar auch bereits geregelt, allerdings zu einer Zeit, in der das Internet noch Neuland war und die deutschen Strafverfolgungsbehörden kaum gegen unlizenziertes Glücksspiel vorgingen. Mit dem Staatsvertrag wurde auch die Argumentationsgrundlage von vielen Inhabern einer Glücksspiellizenz aus Malta oder Curaçao hinfällig. Denn auf Rechtsunsicherheit, ob die Lizenzen in Deutschland gelten könnten, konnte sich von da an niemand mehr berufen. Am selben Tag verkaufte Ivan Montik seine Firma in Curaçao, die Dama N.V., an eine Georgierin mit dem Namen Nana Gugeshasvili.
Gugeshasvili ist Jahrgang 1959, sie besitzt laut den bei der Glücksspielbehörde in Curaçao vorgelegten Dokumente kein nennenswertes Vermögen, hat keine Erfahrung in der „iGaming“-Branche und auch im Internet findet man so gut wie nichts über sie. Ob der Zeitpunkt Zufall ist, lässt sich aus den Unterlagen nicht ableiten.
Gugeshasvili besitzt jetzt eine Firma, in der Spieler*innen im Jahr 2021 510 Millionen Euro verloren haben und die einen Gewinn von 127 Millionen Euro erwirtschaftete.
Neben der Firma in Curaçao gründete Montik bereits 2017 die N1-Gruppe in Malta. Mehrere Firmen unter einer Holding. Darunter auch die N1 Interactive Ltd. Sie verfügt über eine Glücksspiellizenz dort und betreibt bis heute das auch in Deutschland beliebte n1casino. Montik verkaufte diese Gruppe Ende Dezember 2023 an Werner Hermann - den mittlerweile mit seiner Familie auf Zypern lebenden Softswiss-Vertriebspartner für Deutschland. Dem Anschein nach unterscheidet sich das Modell der N1 Interactive nicht von dem der Dama N.V. auf Curaçao. Der operative Betrieb von „White-Label-Casinos“.
Hermann besitzt jetzt eine Firma, in der Spieler*innen im Jahr 2023 143 Millionen Euro verloren haben und die einen Gewinn von 1,8 Millionen Euro erwirtschaftete.
Soweit bekannt, besitzt Montik mit dem Verkauf der N1 Ende 2023 offiziell keine Unternehmen mehr, die selbst online Glücksspiel anbieten. Doch nur weil ihm diese Firmen nicht mehr offiziell gehören, bedeutet das noch lange nicht, dass er sie nicht mehr kontrolliert oder nicht mehr von ihnen profitiert.
„White Label“
Im Kontext von Softswiss hat der Besitz und Betrieb einer Casino-Webseite nichts mit den formalen Besitzverhältnissen der durch eine Glücksspielbehörde lizenzierten Firma zu tun. Wie das funktioniert, erklärte Montik 2023 selbst in einem Video mit dem ukrainischen Youtuber Oleg Artyshuk. 2023 - also nachdem er alle Anteile an Firmen in Curaçao offiziell verkauft hat. Er erzählt darin, dass aus seiner Sicht der bürokratische Aufwand, Casinolizenzen zu erhalten, zu langwierig und das Aufsetzen von Zahlungssystemen zu kompliziert sei. Er sah all das gar als ein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zum eigenen Casino für einige. Deshalb entschied er sich dazu, Firmen in Ländern zu gründen, die es Unternehmen einfach machen, Glücksspiel anzubieten. Also Malta und Curaçao. Er besorgte sich in diesen Ländern Casinolizenzen und Konten für seine eigenen Firmen und ließ seine Kund*innen ihre Casinos mit diesen Lizenzen managen.
Für Außenstehende wirkt es dann so, als würden die Casinos zu Montiks Firma gehören. Der Firmenname und die Lizenz stehen auf der Webseite. Spieler*innen zahlen ihre Einsätze auf die Konten der Firma ein. Dort geht das Geld nicht nur ein, sondern von dort werden auch alle laufenden Kosten direkt bezahlt. Daher läuft auch die komplette Buchhaltung über diese.
Am Ende erhalten diese Manager*innen einen Anteil des Casinoumsatzes. In den Bilanzen der Firma wird das dann als „Operators Profit“ bezeichnet. Teilweise erhalten die Manager*innen laut Bilanzen weniger als zwanzig Prozent der von „ihren Spielern“ erzielten Spielverluste. Da aber auch hohe Ausgaben für Marketing ausgewiesen werden und die Casino-Manager*innen ja auch dafür zuständig sind, kann man sich auf diese Zahl allein allerdings nicht verlassen.
Im Wirecard-Prozess sagte Montik, er biete einen „Service, für den man Gebühren zahlt“, „Software und Infrastruktur“ und nicht etwa eine Dienstleistung, bei der er als Payment-Service-Provider auftreten würde. Ein Service, der dem Anschein nach umfasst, dass er Firmen mit Glücksspiellizenzen für Dritte besitzt. Diese Dritten kümmern sich dann primär um die Vermarktung des Casinos und erhalten dafür einen Anteil des Umsatzes. Vermarkter*innen von Casinos nennt man normalerweise Affiliates. Sie werben für Casinos und erhalten dafür meist einen Teil der Spieleinsätze oder Verluste der geworbenen Spieler*innen. Nur normalerweise „gehört“ ihnen das Casino dabei nicht.
Das White-Label-Modell liegt also nah an einem bereits lange existierenden Modell im Glücksspiel-Business, es gibt den „Casino-Manager*innen“ nur etwas mehr Verantwortung als einem klassischen Affiliate. Sie können sich zum Beispiel komplett selbst überlegen, wie sie werben oder auch den Kundenservice für die Spieler*innen betreiben. Wobei Montik gegenüber YouTuber Artyshuk betont, dass er davon ausgehe, dass sein Team einen besseren Spielersupport anbieten könne.
Aber vor allem hat es für die „Casino-Manager*innen“ den Vorteil, dass sie zumindest laut den uns vorliegenden Dokumenten nicht gegenüber Behörden oder Banken mit ihrem Namen in Erscheinung treten müssen. Für Außenstehende und laut unseren Informationen auch für die Curaçao Gaming Authority ist nicht erkennbar, wem die Casinos zuzuordnen sind. Auch wir haben das nur in Einzelfällen herausgefunden.
Wie schwierig es durch solche Strukturen werden kann, die tatsächlich hinter einem Casino stehenden Personen zu identifizieren, zeigt das Platincasino. Das befindet sich seit seinem offiziellen Verkauf 2023 in Besitz einer Firma, die wir dem Softswiss-Netzwerk zuordnen. Im Rahmen der Recherche fanden wir allerdings weiterhin zahlreiche Verbindungen zum Firmengeflecht des bisherigen Eigentümers Thomas Kalman.
Mehr zum Platincasino Wem gehört das Platincasino? Interne Dokumente zeigen Verbindungen nach Malta und Curaçao – und eine mutmaßliche Steuerlücke von 250 Millionen Euro.
„Man macht eine Struktur, um gewisse Geschäftszwecke zu erzielen“
„Man macht eine Struktur, um gewisse Geschäftszwecke zu erzielen“, erwiderte Ivan Montik 2025 im Wirecard-Prozess auf die Frage, warum er so viele Holdings brauche. Und immer wenn Fragen zu Glücksspielfirmen aufkamen, konnte er sich nicht erinnern und beteuerte, dass ihm die jeweilige Firma ja bereits länger nicht mehr gehöre.
In der heutigen Softswiss-Struktur sind die Welten des operativen Glücksspiels und die der Software- und Zahlungsdienstleistungen dem Anschein nach strikt getrennt. Während die Softwarefirmen von Montik, Yaikau und Kashuba gehalten werden, befinden sich alle Glücksspielfirmen in der Hand von insgesamt fünf Personen.
Meri Kandelaki
Casino-Domains: 37
Umsatz 2025: 84 Millionen
Nana Gugeshasvili
Casino Domains: 700
Umsatz 2025: 1,517 Milliarden
Sopio Khurtsidze
Casino Domains: 352
Umsatz 2025: 348 Millionen
Tengiz Koranashvili
Casino Domains: 145
Umsatz 2025: 213 Millionen
Vier von ihnen leben in Georgien. Genau wie bei Gugeshasvili ist bei keinem von ihnen ein Bezug zur Glücksspielindustrie feststellbar und im Internet existieren sie quasi nicht. Selbst an den Adressen, die sie gegenüber der Glücksspielbehörde in Curaçao angegeben haben, waren sie nicht anzutreffen. Teils waren die Adressen für uns nicht einmal auffindbar.
Um jede dieser Personen gibt es ein ganzes Netzwerk an Firmen. Neben Firmen aus Curaçao und Zypern gehören ihnen auch noch Unternehmen in Estland und Costa Rica.
So besitzt zum Beispiel Nana Gugeshasvili ein Unternehmen mit dem Namen Spade King Holding in Zypern. Darunter befinden sich dann die zwei Firmen. Die Dama und die Just Entertainment in Curaçao. Sie besitzen wiederum Zahlungsdienstleister in Zypern. Diese Struktur findet man so auch in den Netzwerken der anderen Personen wieder.
UBO-Firmenstrukturen
Werner Hermann ist die fünfte Person. Er hat als einziger von ihnen zumindest offiziellere Verbindungen zum Softswiss-Konzern und auch bereits vorher in der Glücksspielindustrie gearbeitet. Ihm gehören neben dem N1-Netzwerk in Malta auch drei Firmen in Curaçao, über die dem Anschein nach zwar kein Spielbetrieb läuft, allerdings Softswiss-Software verkauft wird.
Werner Hermann
Vieles spricht dafür, dass es sich bei all diesen Menschen um Strohleute für den Softswiss-Konzern handelt.
Neben den Firmen, die von den Softswiss-Gründern in den letzten Jahren an die Strohleute abgestoßen bzw. in deren Namen neu gegründet wurden, gibt es den offiziellen Bereich von Softswiss.
Während sich dem Anschein nach das Firmenimperium der Strohleute in den letzten Jahren immer weiter vergrößert hat, professionalisierte sich auch der offizielle Softswiss-Konzern und die von ihm angebotenen Produkte. Dazu zählen neben der Softswiss-Casino-Plattform - also der Software - selbst auch eine Reihe von weiteren Brands und Firmen. BGaming - Entwicklung von Casinospielen. Affilka - Software zur Verwaltung von Affiliates - also Unternehmen, die Spieler*innen für die Casinos werben. Finteqhub - eine Plattform zur kreativen Zahlungsabwicklung. Oder Coinspaid und GammaG - Plattformen zur Abwicklung von Crypto-Zahlungen. Softswiss hat für alles, was zum Betrieb eines eigenen Casinos notwendig ist, eine eigene Firma.
Viele dieser Firmen liegen unter der „Stable Software Solutions Limited“ in Malta, die Montik, Yaikau und Kashuba über ihre Holdings in Zypern selbst besitzen. In diesem offiziellen Teil von Softswiss sind auch die Mitarbeiter*innen angestellt.
Von hier vermieten sie Software an den illegalen Bereich. Unter anderem über die Tochterfirmen Wertex und Astol auf der Isle of Man. Das funktioniert nach dem Software-as-a-Service-Modell. Die „unabhängigen“ Betreiberfirmen mieten sich also die Software und Infrastruktur der offiziellen Firmen in Malta. Die Firmen in Curaçao bezahlen dafür einen Anteil der erzielten Spielverluste für verschiedene Dienstleistungen an den legalen Bereich. Laut uns vorliegenden Preislisten sind das zum Beispiel 5 Prozent für die Casinosoftware selbst oder 12 Prozent für Spiele aus dem hauseigenen Spielestudio. Ohne tiefere Einblicke in die Firmen könnte es so wirken, als wären sie einfach Softswiss-Kunden.
Von außen wirkt es so, als hätten all die verschiedenen Casino-Betriebsfirmen nichts miteinander zu tun. Und auch Verbindungen zu den offiziellen Softswiss-Unternehmen sind von außen kaum sichtbar. Erst nachdem wir interne Unterlagen der Glücksspielbehörden aus Curaçao und Malta zusammen mit Tausenden Dokumenten aus den Handelsregistern mehrerer Länder analysierten, ließ sich das Bild eines Netzwerks nachzeichnen.
Es ist nämlich so, dass die operativen Glücksspielfirmen zur Aufnahme ihres Betriebes Geld benötigen. Einige Millionen Euro. Weil diese Unternehmen allerdings von - wie wir aus Dokumenten der Curaçao Gaming Authority wissen - Menschen ohne Vermögen gehalten werden, können sie nicht einfach selbst in die Unternehmen investieren. Also geben sich die Unternehmen aller Strohleute untereinander Kredite. Geld aus den Firmen, die bereits erfolgreich Casinos betreiben, leihen „den Neuen“ Geld.
Manchmal vergibt auch Montiks eigene Holding ein Darlehen - oder eine Curaçao-Gesellschaft an einen Softswiss-Mitarbeiter. Es entsteht ein engmaschiges Netz aus Krediten und Geschäftsbeziehungen.
Die Besonderheit der Finanzierung von operativen Glücksspielfirmen im Softswiss-Netzwerk scheint auch der Glücksspielbehörde in Curaçao bereits bekannt. So schreiben Mitarbeiter*innen in einem Compliance-Dokument der Score55 Tech B.V. „Sollte der wirtschaftlich Berechtigte (UBO) – wie wir vermuten – von Softswiss finanziert werden, wird hoffentlich zusammen mit dem überfälligen Nachweis über die Herkunft der Mittel (SOF/SOW) auch eine Darlehensvereinbarung vorgelegt.“ Mitarbeiter*innen der Curaçao Gaming Authority vermuten selbst, dass es sich dabei um durch Softswiss finanzierte Lizenzen handelt. Sie sprechen in diesem Kontext häufiger von sogenannten „softswiss sponsored“ Bewerbungen und verweisen teils auch in der Compliance-Dokumentation auf die jeweils anderen Softswiss-Firmen.
In einem Report über die Just Entertainment B.V. aus April 2026 wird sinngemäß notiert:
Wir haben Bedenken bezüglich der vielen Darlehn, für die keine wirtschaftliche Begründung genannt wird. Einige der Darlehen scheinen zudem an Wettbewerber zu fließen. Dies muss eingehender untersucht werden. Wir vermuten, dass Softswiss der gemeinsame Nenner ist; daher gehen wir davon aus, dass ein Missverhältnis zwischen dem offensichtlichen Vermögen der Eigentümer der Unternehmen und ihrem angegebenen Nettovermögen besteht.
Bei Dama gingen die Prüfer*innen noch weiter. In einem internen Vermerk notierten sie, sie vermuteten, dass Softswiss den Großteil des Gewinns erhalte.
Die Curaçao Gaming Authority wollte nicht auf die Bedeutung des Begriffs „sponsored“ eingehen. Sie verweist allerdings darauf, dass sich in den letzten Jahren die Regeln zur Vergabe der Lizenzen geändert hätten und nur Firmen, mit denen man vollumfänglich regulatorisch zufrieden sei, eine dauerhafte Lizenz erhalten. Bei den Unternehmen, bei denen von „softswiss-sponsored“ gesprochen wird, ist das der Fall.
Teilweise befinden sich in diesen Compliance-Dokumenten auch Vermerke wie „Der Antragsteller implementiert keine eigenen Spiele. Er implementiert Spiele des Drittanbieters Astol Ltd, eines Wiederverkäufers von Softswiss.“ Womit bestätigt wird, dass hier die Lizenzierung von Software und Spielen direkt über eine Tochter der Stable Software Solutions mit Sitz auf der Isle of Man abgewickelt wird.
Überschneidungen zwischen dem offiziellen und dem inoffiziellen Softswiss-Netzwerk gibt es nicht nur bei der Finanzierung, sondern auch beim Personal. So ist die laut ihrem LinkedIn-Profil bei Softswiss Poznań (Polen) angestellte Alena Sergueeva bei mindestens neun Firmen, die wir Softswiss zuordnen, als Chief Financial Officer eingetragen worden. Der dazu an die CGA übersandte Lebenslauf erwähnte ihre Anstellung bei Softswiss allerdings nicht und im Fragebogen der Glücksspielaufsicht gibt sie an, selbstständig zu sein.
Aliksandr Markau aus Tbilisi (Georgien) hingegen, laut den Daten der Glücksspielbehörde in Curaçao AML-Beauftragter bei den drei umsatzmäßig größten in Curaçao lizenzierten Softswiss-Firmen, gibt in seinem Lebenslauf ganz offen an, dass er bereits seit 2019 für Softswiss tätig ist. Laut dem Fragebogen der Glücksspielbehörde läuft sein Arbeitsvertrag über die Merkeleon GmbH in Pöttelsdorf (Österreich). Es ist jene Gesellschaft im burgenländischen Pöttelsdorf, die bereits früh in der Geschichte von Softswiss auftaucht. AML steht hier für „Anti-Money-Laundering“, also Geldwäscheprävention. Eine Position, die Unternehmen mit Glücksspiellizenz in Curaçao seit einiger Zeit besetzen müssen.
In den Casino-Unternehmen in Curaçao und Malta kommt also weit mehr als nur die Software von Softswiss. Von der Finanzierung über das Personal bis hin zur Lizenz und Buchhaltung - alles eine Dienstleistung unter dem White-Label-Modell. Montik sagte dazu im Interview mit dem ukrainischen Youtuber Oleg Artyshuk „Wenn jemand Spieler besorgen kann, dann kann er ein Casino mit uns aufbauen“. Denn um alles andere kümmert sich Softswiss.
Wer verdient an den Casinos?
9 lizenzierte Firmen in Curaçao erwirtschafteten insgesamt etwa 2 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025. Davon 1,75 Milliarden Euro durch Spielverluste im Glücksspiel, den Rest durch Lizenzen sowie nicht weiter bilanziell aufgeschlüsselte Einnahmen. Ein Großteil des Umsatzes erwirtschaftete die Dama N.V. - 1,235 Milliarden Euro. Über 100 Millionen Euro erwirtschafteten daneben noch die Hollycorn N.V. (348 Millionen Euro), die Just Entertainment B.V. (265 Millionen Euro) sowie die Latiform B.V. (131 Millionen Euro).
Zwei Milliarden Euro Umsatz bedeuten allerdings nicht, dass dieses Geld bei den Gesellschaften in Curaçao bleibt. Im Gegenteil: 2025 machten die Gesellschaften zusammen rund 181 Millionen Euro Verlust. Ein Blick in ihre Bilanzen zeigt, wohin große Teile der Einnahmen fließen.
Geld an die White-Label-Kunden
Wenn man sich die Bilanzen aber im Detail ansieht, dann findet man Posten wie den „Operators Profit“, teilweise auch „Services for Operations“ benannt. Dieser betrug 2025 über alle Firmen in Curaçao hinweg 365 Millionen Euro. Das entspricht 17,7 Prozent des Umsatzes. Dabei handelt es sich mutmaßlich um das Geld, das an die Kund*innen des „White-Label“ Angebots, also die Betreiber*innen und je nach Perspektive, auch Eigentümer*innen der Casinos ausgeschüttet wird.
Während die Firmen also 181 Millionen Euro verlieren, werden 365 Millionen Euro mutmaßlich an die White-Label-Kund*innen ausgeschüttet.
Außerdem gibt es in den Bilanzen Posten wie „Marketing and advertising“, „General affiliate expenses“ und „Software services“, die jeweils wieder hunderte Millionen betragen. Da Softswiss in all diesen Bereichen Angebote hat, dürfte ein Teil der Einnahmen im Konzern bleiben. Ein Teil könnte aber ebenfalls an die „Casino-Operators“ fließen.
Wohin die Einnahmen der Casino-Unternehmen fließen
Alle in den Jahresabschlüssen 2025 ausgewiesenen Einnahme- und Ausgabeposten. Nullwerte werden im Diagramm ausgeblendet, sind aber in den Tabellen enthalten.
Die Einnahmeposten fließen je Unternehmen in dessen Umsatz und anschließend in die gemeinsamen Einnahmen. Von dort werden die Ausgaben wieder nach Unternehmen und Kostenart aufgeteilt. Da die ausgewiesenen Ausgaben die Einnahmen um 157.198.619 € übersteigen, wird diese Differenz als eigener Zufluss dargestellt.
Vollständige Daten als Tabellen anzeigen
Dama
| Bereich | Posten | Betrag |
|---|---|---|
| Einnahme | Bruttospielertrag | 1.037.510.744 € |
| Einnahme | Spieleintegrationen | 105.197.377 € |
| Einnahme | Vermittlungsleistungen | 6.125.773 € |
| Einnahme | Support | 5.301.764 € |
| Einnahme | Einrichtung | 1.028.287 € |
| Einnahme | Allgemeine Affiliates | 1.417.060 € |
| Einnahme | Sonstige Einnahmen | 78.759.728 € |
| Einnahme | Integranten | 0 € |
| Ausgabe | Services für den Betrieb | 227.770.693 € |
| Ausgabe | Direkte Casinokosten | 897.979.182 € |
| Ausgabe | Marketing und Werbung | 58.016.089 € |
| Ausgabe | Provisionen für Zahlungsdienstleister | 4.472.713 € |
| Ausgabe | Softwareleistungen | 38.188.405 € |
| Ausgabe | Lizenzgebühren und -leistungen | 0 € |
| Ausgabe | Allgemeine Affiliate-Ausgaben | 42.468.448 € |
| Ausgabe | Vermittlungsleistungen | 9.299.569 € |
| Ausgabe | Ressourcenteilung | 968.000 € |
| Ausgabe | Supportleistungen | 48.200 € |
| Ausgabe | Wareneinsatz | 0 € |
| Ausgabe | Allgemeine Verwaltungskosten | 45.127.888 € |
| Summe Einnahmen | 1.235.340.733 € | |
| Summe Ausgaben | 1.324.339.187 € | |
Latiform
| Bereich | Posten | Betrag |
|---|---|---|
| Einnahme | Bruttospielertrag | 115.147.655 € |
| Einnahme | Spieleintegrationen | 0 € |
| Einnahme | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Einnahme | Support | 56.032 € |
| Einnahme | Einrichtung | 524.770 € |
| Einnahme | Allgemeine Affiliates | 0 € |
| Einnahme | Sonstige Einnahmen | 3.157.278 € |
| Einnahme | Integranten | 243.161 € |
| Ausgabe | Services für den Betrieb | 59.289.985 € |
| Ausgabe | Direkte Casinokosten | 49.450.077 € |
| Ausgabe | Marketing und Werbung | 18.426.613 € |
| Ausgabe | Provisionen für Zahlungsdienstleister | 3.417.727 € |
| Ausgabe | Softwareleistungen | 500.453 € |
| Ausgabe | Lizenzgebühren und -leistungen | 50.985 € |
| Ausgabe | Allgemeine Affiliate-Ausgaben | 0 € |
| Ausgabe | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Ressourcenteilung | 0 € |
| Ausgabe | Supportleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Wareneinsatz | 0 € |
| Ausgabe | Allgemeine Verwaltungskosten | 4.019.329 € |
| Summe Einnahmen | 119.128.896 € | |
| Summe Ausgaben | 135.155.169 € | |
Hollycorn
| Bereich | Posten | Betrag |
|---|---|---|
| Einnahme | Bruttospielertrag | 264.612.520 € |
| Einnahme | Spieleintegrationen | 59.276.769 € |
| Einnahme | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Einnahme | Support | 1.916.906 € |
| Einnahme | Einrichtung | 804.451 € |
| Einnahme | Allgemeine Affiliates | 0 € |
| Einnahme | Sonstige Einnahmen | 21.792.971 € |
| Einnahme | Integranten | 0 € |
| Ausgabe | Services für den Betrieb | 52.692.520 € |
| Ausgabe | Direkte Casinokosten | 231.154.362 € |
| Ausgabe | Marketing und Werbung | 53.118.940 € |
| Ausgabe | Provisionen für Zahlungsdienstleister | 2.421.826 € |
| Ausgabe | Softwareleistungen | 51.356.090 € |
| Ausgabe | Lizenzgebühren und -leistungen | 53.735 € |
| Ausgabe | Allgemeine Affiliate-Ausgaben | 1.957.388 € |
| Ausgabe | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Ressourcenteilung | 0 € |
| Ausgabe | Supportleistungen | 221.685 € |
| Ausgabe | Wareneinsatz | 0 € |
| Ausgabe | Allgemeine Verwaltungskosten | 17.420.509 € |
| Summe Einnahmen | 348.403.617 € | |
| Summe Ausgaben | 410.397.055 € | |
Just Entertainment
| Bereich | Posten | Betrag |
|---|---|---|
| Einnahme | Bruttospielertrag | 250.093.476 € |
| Einnahme | Spieleintegrationen | 0 € |
| Einnahme | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Einnahme | Support | 40.200 € |
| Einnahme | Einrichtung | 10.000 € |
| Einnahme | Allgemeine Affiliates | 0 € |
| Einnahme | Sonstige Einnahmen | 14.287.567 € |
| Einnahme | Integranten | 169.718 € |
| Ausgabe | Services für den Betrieb | 17.659.990 € |
| Ausgabe | Direkte Casinokosten | 174.467.027 € |
| Ausgabe | Marketing und Werbung | 1.028.396 € |
| Ausgabe | Provisionen für Zahlungsdienstleister | 530.345 € |
| Ausgabe | Softwareleistungen | 11.383.282 € |
| Ausgabe | Lizenzgebühren und -leistungen | 47.450 € |
| Ausgabe | Allgemeine Affiliate-Ausgaben | 42.568.064 € |
| Ausgabe | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Ressourcenteilung | 0 € |
| Ausgabe | Supportleistungen | 5.171.995 € |
| Ausgabe | Wareneinsatz | 0 € |
| Ausgabe | Allgemeine Verwaltungskosten | 5.241.654 € |
| Summe Einnahmen | 264.600.961 € | |
| Summe Ausgaben | 258.098.203 € | |
Stable Tech
| Bereich | Posten | Betrag |
|---|---|---|
| Einnahme | Bruttospielertrag | 63.119.668 € |
| Einnahme | Spieleintegrationen | 39.952 € |
| Einnahme | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Einnahme | Support | 23.000 € |
| Einnahme | Einrichtung | 0 € |
| Einnahme | Allgemeine Affiliates | 0 € |
| Einnahme | Sonstige Einnahmen | 7.751.163 € |
| Einnahme | Integranten | 0 € |
| Ausgabe | Services für den Betrieb | 65.591 € |
| Ausgabe | Direkte Casinokosten | 47.924.623 € |
| Ausgabe | Marketing und Werbung | 4.132.772 € |
| Ausgabe | Provisionen für Zahlungsdienstleister | 237.158 € |
| Ausgabe | Softwareleistungen | 110.405 € |
| Ausgabe | Lizenzgebühren und -leistungen | 47.427 € |
| Ausgabe | Allgemeine Affiliate-Ausgaben | 15.712.723 € |
| Ausgabe | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Ressourcenteilung | 0 € |
| Ausgabe | Supportleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Wareneinsatz | 0 € |
| Ausgabe | Allgemeine Verwaltungskosten | 1.270.451 € |
| Summe Einnahmen | 70.933.783 € | |
| Summe Ausgaben | 69.501.150 € | |
Scores55
| Bereich | Posten | Betrag |
|---|---|---|
| Einnahme | Bruttospielertrag | 22.996.248 € |
| Einnahme | Spieleintegrationen | 13.100 € |
| Einnahme | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Einnahme | Support | 0 € |
| Einnahme | Einrichtung | 0 € |
| Einnahme | Allgemeine Affiliates | 0 € |
| Einnahme | Sonstige Einnahmen | 309.727 € |
| Einnahme | Integranten | 0 € |
| Ausgabe | Services für den Betrieb | 7.596.768 € |
| Ausgabe | Direkte Casinokosten | 12.388.683 € |
| Ausgabe | Marketing und Werbung | 0 € |
| Ausgabe | Provisionen für Zahlungsdienstleister | 236.114 € |
| Ausgabe | Softwareleistungen | 8.640 € |
| Ausgabe | Lizenzgebühren und -leistungen | 47.450 € |
| Ausgabe | Allgemeine Affiliate-Ausgaben | 0 € |
| Ausgabe | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Ressourcenteilung | 0 € |
| Ausgabe | Supportleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Wareneinsatz | 0 € |
| Ausgabe | Allgemeine Verwaltungskosten | 290.323 € |
| Summe Einnahmen | 23.319.075 € | |
| Summe Ausgaben | 20.567.978 € | |
Topchik
| Bereich | Posten | Betrag |
|---|---|---|
| Einnahme | Bruttospielertrag | 0 € |
| Einnahme | Spieleintegrationen | 11.909.303 € |
| Einnahme | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Einnahme | Support | 7.535.137 € |
| Einnahme | Einrichtung | 17.000 € |
| Einnahme | Allgemeine Affiliates | 0 € |
| Einnahme | Sonstige Einnahmen | 6.793 € |
| Einnahme | Integranten | 0 € |
| Ausgabe | Services für den Betrieb | 0 € |
| Ausgabe | Direkte Casinokosten | 0 € |
| Ausgabe | Marketing und Werbung | 0 € |
| Ausgabe | Provisionen für Zahlungsdienstleister | 28.367 € |
| Ausgabe | Softwareleistungen | 4.947.362 € |
| Ausgabe | Lizenzgebühren und -leistungen | 16.606 € |
| Ausgabe | Allgemeine Affiliate-Ausgaben | 150.458 € |
| Ausgabe | Vermittlungsleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Ressourcenteilung | 0 € |
| Ausgabe | Supportleistungen | 0 € |
| Ausgabe | Wareneinsatz | 8.156.994 € |
| Ausgabe | Allgemeine Verwaltungskosten | 7.035.388 € |
| Summe Einnahmen | 19.468.233 € | |
| Summe Ausgaben | 20.335.175 € | |
Geld an Softswiss
Insgesamt weisen die sieben analysierten Gesellschaften rund 106 Millionen Euro Softwarekosten aus. Verträge mehrerer Gesellschaften zeigen, dass sie Softswiss-Software über Astol beziehen - eine Firma im offiziellen Softswiss-Konzern. Was etwa 5,1 Prozent der Einnahmen entspricht. Die ausgewiesenen Softwarekosten folgen allerdings keinem einheitlichen Verhältnis zu Spielverlusten. So gab die Dama im Jahr 2025 38 Millionen Euro für Software aus, während die Bilanz der Hollycorn 51 Millionen Euro ausweist. Die Spielverluste bei der Dama waren allerdings viermal so hoch wie bei der Hollycorn.
Geld an die Softswiss-Eigentümer
Zwei Milliarden Euro Umsatz bedeuten also nicht, dass am Ende Gewinn bei den Gesellschaften in Curaçao bleibt oder die formellen Eigentümer*innen gar eine Ausschüttung vornehmen. Sondern nur, dass da zwei Milliarden eingenommen werden und das Geld dann weiter verteilt wird.
Wenn wir ein paar Jahre in den Bilanzen zurückgehen, finden wir ein weiteres Modell, wie mutmaßlich Geld aus der Struktur zu den Eigentümern der offiziellen Softswiss-Organisation transferiert wurde.
Am 15. November 2022 kaufte Gugeshasvilis Spade King Holding die Befree Limited für 68,996 Millionen Euro von Montik, Yaikau und der CAPITAL WW INVESTMENT LIMITED, die in der Vergangenheit mutmaßlich in Softswiss investierte. Die Spade King Holding ist das Unternehmen, das auch die Dama N.V. mit damals 306 Millionen Euro Umsatz besitzt.
Diese Transaktion hinterließ mutmaßlich auch in den Bilanzen von Montiks und Yaikaus Holdings Spuren: Bitcapital und Primefuture verbuchten beide 2022 jeweils einen Gewinn von 23,487 Millionen Euro unter der Bilanzposition „Profit from sales of financial assets at fair value through profit or loss“ aus.
Die Befree Limited besaß zu diesem Zeitpunkt eine heute unter dem Namen Befuria GO OÜ firmierende estnische Glücksspielfirma. Im Jahr der Übernahme betrug ihr Umsatz unter einer Million Euro und auch 2025 betrug der Umsatz nur 8 Millionen Euro. Laut Bilanz besaß die Gesellschaft außerdem die Rechte an einer „Games Recommendation Engine“, also einer Software.
Die Geschichte um die Befree Limited könnte allerdings weitaus komplexer sein, da es unter anderem einen Rechtsstreit zwischen den Eigentümern der CAPITAL WW INVESTMENT LIMITED und den anderen Eigentümern gab. Auf Basis der vorliegenden Dokumente lässt sich die Bewertung von 69 Millionen Euro trotzdem schwer erklären.
„Man macht eine Struktur, um gewisse Geschäftszwecke zu erzielen“, sagte Montik.
Zurück nach Berlin
Auf dem Papier liegen die Firmen des operativen Glücksspielgeschäfts in Curaçao, Malta und Costa Rica. Die Menschen, die den offiziellen Softswiss-Konzern kontrollieren, leben dagegen teilweise in Deutschland.
Hier rätselten die Aufsichtsbehörden und die Justiz bisher darüber, wem die vielen nun dem Softswiss-Netzwerk zuordenbaren Casinos gehören. Währenddessen leben die Mehrheitseigentümer von Softswiss und mutmaßlich die größten Profiteure dieser Casinos hier. Im Zugriff der deutschen Justiz.
Die Softswiss-Eigentümer leben hier nicht nur. Sie investieren hier auch Kapital ihrer zyprischen Holdings, das mutmaßlich auch aus illegalem Glücksspiel stammt. Gemeinsam über die sogenannte chance foundation. Darunter auch in Immobilienprojekte um Berlin. Funkytown - ein großes neues Büroviertel an der Spree. Green Living Heidesee - nachhaltig gebauter Wohnraum in Gussow. Oder die Parwerk GmbH, die den Betrieb eines Badehauses anstrebt.
Weder Montik selbst noch die Softswiss-Gruppe, die in den Strohfirmen involvierten Mitarbeiter*innen oder die mutmaßlichen Strohmenschen, die Firmen in Curaçao besitzen, wollten sich zu den Vorwürfen äußern. Einzig Werner Hermann war einmal unter seiner Telefonnummer in Zypern erreichbar. Nach dem einzigen, nicht sehr ergiebigen Gespräch wollte er allerdings nicht wieder mit mir sprechen.
Werner Hermann - hebt ab
- Werner Hermann Hallo
- Lilith Wittmann Guten Tag, mein Name ist Lilith Wittmann. Spreche ich hier mit Werner Hermann?
- Werner Hermann Nein
- Lilith Wittmann Mit wem spreche ich denn dann?
- Werner Hermann uninteressant
- Lilith Wittmann Aber ich rufe hier ja gerade eine zyprische Nummer an, von der ich glaube, dass sie Werner Hermann gehört und jemand antwortet mir auf Deutsch. Warum sind Sie denn nicht Werner Hermann?
- Aufgelegt.
Bevor Montik Softswiss gründete, war er selbst Journalist und bezeichnet sich heute weiterhin als Menschenrechtsaktivist. Er leitete das belarussische Büro des ukrainischen Mediums Bigmir.net. Er ist einer der 25 Mitbegründer*innen des European Centre for Press and Media Freedom in Leipzig. 2020 sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er lebe auch aus politischen Gründen in Berlin.
An einem sonnigen Freitagnachmittag Anfang September stehe ich zusammen mit dem NDR an Montiks wirklich beeindruckender Villa. Wir wollen unsere Fragen in seinen golden eingefassten Briefkasten werfen. Statt Namen stehen auf dem nur die Initialen „I. M.“ und „M. S.“.
Wir werden bemerkt und das Tor zur Tiefgarage schließt sich. Später kommt Post von Montiks Anwält*innen. Renommierte Anwält*innen in seinem Geschäftsfeld. Sie werden versuchen, die Berichterstattung zu verhindern.
Trotzdem erscheint heute dieser Artikel.
Familie Montik scheint es gut zu gehen, im Grunewald. Mit den schnellen BMWs in der Tiefgarage. Der junge Montik, dessen Passwörter laut einem Leak schon vor über 15 Jahren das Wort „BMW“ beinhalteten, ist hier vermutlich in seinem Traum angekommen.
Es wirkt so, als habe sich lange kaum jemand für die Herkunft seines Vermögens interessiert. Das ändert sich jetzt.

