Der Platincasino-Helikopter kreist und in der Platincasino-MMA-Arena wird gekämpft. Dazu rappen KC Rebell und Summer Cem im Musikvideo „ANANI BACINI“.

Mit ihrem Platincasino-Feature sind sie nicht allein. Um 2021 wurde Platincasino von der Deutschrap-Szene so oft gefeatured, dass es ganze Analysen dazu gibt. Und spätestens mit Farid Bangs Line „Platincasino den Namen rappen, weil sie dafür um die 80 blechen“ aus „3XNO“ sollte allen klar gewesen sein: Das ist kein Zufall.

Womit sich in der Debatte damals aber quasi nicht beschäftigt wurde: Wer hat all diese Features beauftragt? Woher kommen die 80.000 Euro, die jemand mutmaßlich für ein Rap-Feature angeboten hat?

Denn das Platincasino ist nicht nur ein Insider unter Gangster-Rappern und denen, die sich dafür halten. Es ist ein Business, in dem Menschen, die über die Jahre dort - auch dank der Werbung ihrer Lieblingsrapper - Milliarden verloren haben.


Die Geschichte um das mutmaßlich aktuell erfolgreichste illegale Casino in Deutschland beginnt im Jahr 2006 in einem Frankfurter Vorort. In einer Siedlung, in der alle Einfamilienhäuser ziemlich gleich aussehen.

Dort gründete der damals 18-Jährige Thomas Kalman die „Shark Systems Ltd.“ Eine Firma nach britischem Recht, die Gameserver für das Spiel Counter-Strike anbot. Seit 2011 firmiert sie als Shark Systems IT GmbH in Deutschland.

Im Jahr 2014 erschien auf der Webseite des Platincasinos erstmals etwas, das sich auch heute im Internet Archive als ein Casino identifizieren lässt. Zuerst ohne irgendwelche Informationen, wem es gehört. Anfang 2017 wurde dort der Hinweis ergänzt, es befände sich im Eigentum der „Loaded Ventures B.V.“ (Curaçao) und werde von der „Wombat IoM Ltd“ betrieben.

Allerdings nur für wenige Monate. Denn ab dem 30. November 2017 steht in der Fußzeile, dass es einer Firma aus Malta gehöre und diese dort auch eine Glücksspiellizenz besitze. Die Red Rhino Limited, Lizenznummer „MGA/CL1/1364/2017“. Ein Blick ins maltesische Handelsregister verrät nicht, wem diese „Red Rhino Ltd.“ oder ihre Muttergesellschaft, die „Lazy Ape Holding Ltd.“ gehören. Denn dort ist nur die „ARX Trustees Limited“ - ein Treuhandservice, der die Firma im Namen einer Person besitzt - eingetragen.

Öffentlich gab es also lange keine Informationen, wem diese Firmen gehören. Allerdings verlangte die Malta Gaming Authority - also die Behörde, die in Malta Glücksspiellizenzen vergibt - die Offenlegung der Eigentumsverhältnisse. Und dort wurde nur ein Name als UBO - also die Person, der die Firma am Ende gehört - gemeldet: Thomas Kalman. Das wissen wir, weil aus einem internen System der Malta Gaming Authority kürzlich rund 3.000 Dokumente extrahiert wurden. Darunter auch Dokumente zur Red Rhino.

Seit 2019 findet man unter ubqty.de die Webseite einer Frankfurter Internetagentur, die laut ihrem Impressum zur „Shark Systems GmbH“ gehört. „UBQTY“ ist eine Verkürzung des Begriffs „ubiquity“ - also Allgegenwart oder Omnipräsenz. Während die Webseite zu dem, was die Firma tut, so gut wie nichts verrät, kann man aus Stellenanzeigen lernen, dass dort Supportmitarbeiter für Casinos gesucht werden. „Kernmarkt: Deutschland“ heißt es in der Jobbeschreibung.

Job offer platincasino support
Jobangebot UBQTY stand 2020. Website öffnen ↗

Seit Juli 2021 gilt in Deutschland ein neuer Glücksspielstaatsvertrag. Durch ihn wurde es erstmals bundesweit möglich, eine Glücksspiellizenz zu erhalten und legal online Glücksspiel anzubieten.

Kalmans Firmen bewerben sich um eine solche Lizenz, erhalten diese allerdings nicht. Von nun an handelt es sich beim Platincasino also um ein nach deutschem Recht ganz klar illegales Casino. Oft ist die am schwersten wiegende Straftat im Kontext von illegalem Glücksspiel allerdings die Steuerhinterziehung und nicht das Glücksspiel selbst. Vermutlich deshalb bezahlt die Red Rhino Limited laut einem Kontoauszug im maltesischen Handelsregister zumindest im Oktober 2022 die in Deutschland fällige Steuer. 5,6 Millionen Euro in einem Monat.

Hat Platincasino wirklich den Besitzer gewechselt?

Im August 2023 wurde bei der Malta Gaming Authority ein Dokument eingereicht, welches den Titel „Platincasino.com Database Migration Plan“ trägt. Es geht augenscheinlich um den Verkauf des Platincasinos. Darin wird beschrieben, ohne Details über den Käufer zu nennen, wie die Datenbank von Platincasino technisch transferiert werden soll. Als Datum für die Umstellung wird der 4. Oktober 2023 angegeben.

In dem Dokument wird auch eine Liste von Mitarbeiter*innen genannt, die an der Migration beteiligt sind. Darunter die Frankfurterin Nicole S., die laut ihrem LinkedIn-Profil seit 2014 für eine Firma namens „the multiple“ als „Hands-on Beraterin - Business Analytics, BI und B2B-Produkte“ tätig sei. Außerdem Jake S. N., der an mehreren Firmen gemeinsam mit Kalman beteiligt ist. Und zwei weitere Mitarbeiter von „the multiple“ in Malta.

Es handelt sich hierbei um den Verkauf der Spielerdaten, der Marke und der Domains an die Latiform B.V. Eine Firma in Curaçao. Diese bezahlte dafür laut ihrer eigenen Bilanz insgesamt 6 Millionen Euro. Die Latiform wies vor der Übernahme keine aktive Geschäftstätigkeit auf und besitzt heute auch ausschließlich eine Glücksspiellizenz für die Platincasino-Domains.

6 Millionen Euro für ein Casino, das allein im Oktober 2022 5,7 Millionen Euro Steuern bezahlte.

Laut Dokumenten der Glücksspielbehörde Curaçao gehört die Latiform B.V. Tengiz Koranashvili. Sie ist Teil eines von Strohleuten gehaltenen Firmennetzwerks, welches mutmaßlich der Softswiss-Gruppe zuzuordnen ist. Sie bietet laut eigenen Angaben Casino-Software sowie alle Dienstleistungen, die notwendig sind, um ein Casino zu betreiben. Lizenzen, Zahlungssysteme oder gar die Buchhaltung - darum braucht man sich als „Inhaber“ eines Casinos bei Softswiss nicht kümmern. Sie übernehmen alles, bis auf das Marketing. Dafür erhalten sie einen guten Teil des Casinoumsatzes und zahlen laut Bilanzen nur einen Anteil von unter 20 Prozent der Spielverluste an die „Betreiber“ des Casinos aus.

Wem in dem Softswiss-„White-Label“-Modell am Ende das Casino gehört, ist eine spannende Frage, da die „Betreiber“ weder im Handelsregister noch in den offiziellen Dokumenten bei Glücksspielaufsichten auftauchen. Wem das Platincasino gehört, dürfte auf Basis der Dokumente also selbst für die Glücksspielbehörde in Curaçao nicht klar gewesen sein.

Die Latiform unterscheidet sich von anderen Gesellschaften im Softswiss-Netzwerk: Über sie wird ausschließlich Platincasino betrieben. Andere Softswiss-Gesellschaften betreiben Casinos für mehrere verschiedene Kunden.

Mehr zum Softswiss-Modell Softswiss – Milliardenbusiness in Berlin Wie das White-Label-Modell funktioniert und welche Firmen hinter dem Softswiss-Netzwerk stehen. Illustration zur Recherche über das Softswiss-Netzwerk

Seit dem Umzug nach Curaçao verwendet das Platincasino somit auch Software von Softswiss. Viele Casinos, die das dazugehörige „White-Label“-Modell nutzen, lassen auch Supportanfragen der Spieler*innen durch Softswiss beantworten. Nicht so das Platincasino. Es bietet auf der Webseite einen Chat über die Software Zendesk an. Zendesk ermöglicht es über einige Umwege festzustellen, wie sich die Support-Mitarbeiter dort technisch einloggen. Für das Platincasino geht das nur für Mitarbeiter der „The Multiple Group“.

Microsoft Login Screen The Multiple Group
The Multiple Microsoft Login Screen. Website öffnen ↗

Wer ist „the multiple“?

Immer wieder stößt man im Kontext des Platincasinos auf „the multiple“. In Malta gibt es allerdings laut Handelsregister keine Firma, die so heißt. Auch im europäischen Markenrechtsregister wird man nicht fündig.

Es gibt allerdings eine Webseite. Ohne Impressum. Aber mit Jobposts, in denen nach deutschsprachigen Mitarbeitern für Casino-Support gesucht wird. Einzelne erinnern sehr an die Ausschreibungen der UBQTY in Deutschland.

Job offer platincasino support
Jobangebot stand September 2026. Website öffnen ↗

Auf den ersten Blick könnte man bei den öffentlichen Auftritten von „the multiple“ meinen, es sei eine Firma, die nichts mit dem Platincasino oder der Red Rhino zu tun hat. Vielleicht einfach eine Agentur, die Supportdienstleistungen auf Malta anbietet? Vielleicht ja für Umsatzbeteiligung am Casino?

Auf den Facebook- und Instagram-Seiten präsentiert sich ein junges Team. Ein Team, das viel zu feiern hat. Poolparty, Grillparty oder Blackjack, um eine Gehaltsverdoppelung zu gewinnen.

In den sozialen Medien gibt es nur wenige Spuren, die darauf hindeuten, dass „the multiple“ irgendetwas mit der Firma „Red Rhino Limited“ zu tun haben könnte. Wäre da nicht Facebook und ein Saxophonist, der 2022 auf der Firmenfeier von „Red Rhino“ spielte und darüber in einem Post - samt Video - berichtete.

Hot atmosphere at the Red Rhino Group sunset pool party 🌅with Kurt Ziggy 🎧 ,Michel Gold'm Sax 🎷  organised by Goodear Entertainment. Darunter ein Saxophonist, der auf der Firmenfeier von Red Rhino spielte.
Saxophonist auf der Firmenfeier von Red Rhino. Screenshot aus dem Facebook-Post. Website öffnen ↗

Er markierte in seinem Post die Seite von „Red Rhino“. Das Problem: Wenn man darauf klickt, dann landet man auf der Facebook-Page von „the multiple“. Die Seite wurde also umbenannt.

In zwei Videos über Unternehmensfeiern erkennt man auch Thomas Kalman. Einmal bei einer Sommerparty 2024 und einmal im Frühling 2026. Die Stimmung wirkt ausgelassen.

Kalman tanzt in 2024 auf einer Firmenfeier von the multiple
Videoausschnitte mit Kalman in „the multiple“ Facebook Posts. Website öffnen ↗

Jetzt könnte der Eindruck entstehen: „the multiple“ ist einfach nur eine neue Marke des Teams hinter der Firma Red Rhino. Und weil „the multiple“ weiterhin das Platincasino betreibt, könnte es vielleicht gar nicht zu einem Eigentümerwechsel gekommen sein.

Kalmans Malta-Firmen

In den von der Malta Gaming Authority extrahierten Dokumenten lassen sich aber noch weitere Hinweise auf Kalmans Unternehmensnetzwerk auf Malta finden. Denn weil die Red Rhino auch 2025 noch über eine Glücksspiellizenz verfügte, mussten einige Informationen weiterhin monatlich dort eingereicht werden. Dazu gehörten auch Belege über das Vorhandensein von Geldern, die im Namen von Spieler*innen verwaltet werden. Diese wurden in der Regel mit Screenshots erbracht. Screenshots, die oft den gesamten Bildschirm zeigen.

Screenshot aus dem Report September 2025 - kein aktives Casino

Auf diesen Screenshots sind also nicht die Beträge selbst das Spannende. Sondern die Bookmarks der Person, die da den Browser benutzt. Sie verfügt über Ordner mit Namen wie „Casino Sites“, „7 Rituals“ und „Teamplate“. Bei den letzten beiden handelt es sich um Firmen, die Kalman mutmaßlich über seine Holding besitzt.

7 Rituals heißt heute 1 Global Music Entertainment Limited. Und ist ein Musiklabel unter der Gibor Ventures Holding Limited. Auf der Website des Labels findet man sogar Artists, die der E-Mail-Adresse nach von Kalman selbst gemanagt werden.

Teamplate war ein Kollaborationstool im Eigentum der ITTLB Limited. Kalman besaß zusätzlich zeitweise ein Unternehmen mit dem Namen „Teamplate Service Deutschland GmbH“.


Thomas Kalman liebt Hunde. So sehr, dass er regelmäßig an Tierheime spendet und sich in Malta für Straßenhunde einsetzt. Über seinen eigenen Hund gibt es sogar einen Artikel in einem lokalen Frankfurter Medium - weil er vom Nachbarshund „fast totgebissen“ wurde. Sein Hund hieß Gibor - er wäre heute 17 und ist wahrscheinlich bereits tot. Gibor ist hebräisch und kann „Held“ oder „Starker Mann“ bedeuten.

Auf Malta gibt es eine „Gibor Ventures Holding Limited“. Offiziell wird sie von einem Treuhänder mit dem Namen „BG TRUSTEES & CORPORATE SERVICES LTD“ gehalten. Diese Holding beteiligt sich an mindestens 26 Firmen. Einige davon haben Kalman, bevor er sie der Holding übertrug, offiziell gehört. Dazu gehören auch die ITTLB Limited sowie die 1 Global Music Entertainment Limited. In dem Firmengeflecht findet man aber auch Beteiligungen an Immobilien oder einer Mixed-Martial-Arts-Liga mit Sitz auf Malta.

Unter diesen 26 Unternehmen gibt es auch zwei, die in den Jahren 2023 und 2024 - also zum Zeitpunkt, zu dem das Platincasino von Malta nach Curaçao wanderte - ein erhebliches Umsatzwachstum verzeichnen konnten. Die YMDM Services Ltd. von 54.000 Euro auf knapp 34 Millionen Euro. Die PNH Services Ltd. steigerte ihren Umsatz im selben Zeitraum von null auf 6,7 Millionen Euro. Laut ihren Jahresabschlüssen nahmen sie dieses Geld mit Dienstleistungen im Bereich von Affiliate-Marketing, also dem Vermitteln von Spieler*innen in Casinos, sowie Casino-Support ein.

Ende 2025 veröffentlichte „the multiple“ auf Facebook- und Instagram-Seiten ein Video. Zu emotionaler Musik gibt es Unternehmenserfolge wie „113 neue Mitarbeitende“, „300.000 aktive Kunden“, „270.000 Support-Chats“, „5 neue Casinospiele entwickelt“, „Eine Tonne Cannabis geerntet“, „17 neue Songs veröffentlicht“, „Unser erfolgreichstes Jahr bisher“. Dazwischen die Eskalationen der letzten Firmenfeiern.

Instagram

Beim Laden werden Inhalte und Daten von Instagram übertragen. Dabei kann Instagram Cookies setzen und weitere Nutzungsdaten verarbeiten.

Jahresrückblick von „the multiple“ auf Instagram.

„The multiple“, könnte man daraus entnehmen, ist nicht eine einzelne Firma. Unter der Marke werden vielmehr die Erfolge mehrerer Unternehmen aus Kalmans Firmengeflecht gemeinsam präsentiert.

Thomas Kalman
ARX Trustees Limited Malta • C 31448
BG Trustees & Corporate Services Ltd. Malta • C 107487
Data Inuvum GmbH & Co. KG Deutschland • HRA 54484
Babylon22 Limited Malta • C 103748
7Sophia Holding Malta • C 99692
Praestator Tech Ltd. Malta • C 67665
Gibor Ventures Holding Ltd. Malta • C 94236
Crumbs Beteiligungen GmbH Deutschland • HRB 108184
Cake Beteiligungs Management UG Deutschland • HRB 133771
Loona Games Ltd. Gibraltar • 123193
Red Rhino Limited Malta • C 67666
Black Cave Ltd. Malta • C 89520
8PE Espana plc Malta • C 89497
PNH Services Ltd. Malta • C 103837
Pink Pyramid Limited Malta • C 103749
1 Global Music Entertainment Ltd. Malta • C 103207
Ever Moon Investments Ltd. Malta • C 103122
IAAG Ltd. Isle of Man • 136459C
Chilling Cheetah Limited Malta • C 87381
Giggling Gator Limited Gibraltar • 122508
ProtectIQ Ltd. Malta • C 112719
YMDM Services Limited Malta • C 87666
Next Vantage Limited Malta • C 99715
Tornado Games Malta Ltd. Malta • C 91088
Gain Changer Ltd. Malta • C 94475
TLDR Consulting AG Schweiz • 1556199
United Remote Holding Ltd. Malta • C 66435
Nova Bricks Ltd. Malta • C 106133
ITTLB Ltd. Malta • C 103838
Max Gain Development SL Spanien • B10653350
Sweed Ltd. Malta • C 103973
Insynk Spaces Ltd. Malta • C 108496
Centurion FC Holding Limited Gibraltar • 122319
Kero Gaming Inc. Delaware • 7598408
PorterPays Limited Malta • C 93396
Guestia Limited Vereinigtes Königreich • 11496679
United Remote Limited Malta • C 66437
Rafel S.
Jake S. N.
Centurion Fighting Malta Ltd. Malta • C 49915

Vieles spricht also dafür, dass der Verkauf des Platincasinos weniger verändert hat, als es die offiziellen Eigentumsverhältnisse vermuten lassen. Nach dem Wechsel nach Curaçao finden sich weiterhin zahlreiche Verbindungen zu Kalmans Firmengeflecht. Ganz nebenbei hat er um das Casino Business herum eine Reihe neuer Geschäftsfelder aufgebaut. Unternehmen, die man als Lifestyle-Businesses bezeichnen könnte.

250 Millionen Euro Glücksspielsteuer

Mit dem Umzug nach Curaçao änderte sich allerdings etwas Entscheidendes: die Steuerzahlungen. 250 Millionen Euro Glücksspielsteuer wurden für das Platincasino seit dem Umzug nach Curaçao laut unserer Schätzung nicht bezahlt. Denn mit dem 2021 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrag wurde auch die Versteuerung bundesweit geregelt. Für Automatenglücksspiel und Sportwetten liegt diese bei 5,3 Prozent auf dem Spieleinsatz. Seitdem ist klar: Wer in Deutschland im Internet Glücksspiel anbietet, der muss hier Steuern bezahlen.

5,3 Prozent auf dem Spieleinsatz bedeuten auch, dass jedes Mal, wenn man in einem Automaten einen Euro spielt, etwa 5 Cent an den Staat fließen. Was vielfach pro Minute geschehen kann.

Dank der erlangten Dokumente der Glücksspielbehörden aus Curaçao sowie Dokumente aus dem maltesischen Handelsregister lassen sich die Umsätze sowie die mutmaßlich nicht bezahlten Steuern schätzen. Dabei muss zwischen den Zeiträumen 2021-2023 mit Spielbetrieb durch die Red Rhino in Malta sowie 2023-2025 durch die Latiform in Curaçao unterschieden werden.

Während es Hinweise darauf gibt, dass die Red Rhino in Deutschland Steuern abführte, fanden wir diese für die Latiform nicht.

Auf Basis der Bilanzen der Latiform lassen sich die in Deutschland nicht abgeführten Steuern schätzen. Für diese Schätzung mussten einige Annahmen getroffen werden. Darunter, dass 85 Prozent der Spieler*innen aus Deutschland stammen, was auf Basis einer Methode geschätzt wurde, welche von Gerichten in verschiedenen EU-Staaten dafür angewendet wird. Außerdem wurden die Spieleinsätze in Curaçao auf Basis der Gesamtverluste geschätzt, da die dortigen Bilanzen üblicherweise die Spieleinsätze nicht abbilden.

Spieleinsätze, Spielerträge und berechnete Glücksspielsteuer

Die Werte für Red Rhino und Latiform werden nach Geschäftsjahr verglichen. Für Red Rhino liegen in dieser Auswertung keine GGR-Werte vor.

Skala
Das Diagramm kann nicht dargestellt werden. Die vollständigen Werte stehen in der Datentabelle darunter.

Die logarithmische Darstellung macht die Steuerwerte neben den deutlich höheren Spieleinsätzen sichtbar. Fehlende GGR-Werte sind in der Tabelle mit einem Gedankenstrich gekennzeichnet.

Daten als Tabelle anzeigen
Spieleinsätze, Spielerträge und berechnete Glücksspielsteuer
Jahr Company GGRWagersTaxes 85 %
2021 Red Rhino 2.043.642.734,00 € 92.066.105,17 €
2022 Red Rhino 2.376.754.536,00 € 107.072.791,85 €
2023 Red Rhino 676.789.244,00 € 30.489.355,44 €
2023 Latiform 16.634.186,00 € 332.683.720,00 € 14.987.401,59 €
2024 Latiform 121.000.869,00 € 2.420.017.380,00 € 109.021.782,97 €
2025 Latiform 115.147.655,00 € 2.302.953.100,00 € 103.748.037,16 €
Gesamt 457.385.474,18 €

Im Rahmen dieser Schätzung kommt man auf etwa 250 Millionen Euro Steuern, die mutmaßlich im Zeitraum 2023-2025 in Deutschland nicht bezahlt wurden. Die Staatsanwaltschaft wird später die entgangenen Steuern allein 2024 auf 78 Millionen Euro schätzen.

Im Platincasino werden auch Slots mit einer Ausschüttungsquote von etwa 97 Prozent angeboten. Das bedeutet, pro Euro, der an diesem Automaten eingesetzt wird, beträgt statistisch der Bruttospielertrag des Casinos 3 Cent. Demgegenüber wird eine Steuer in Höhe von etwa 5 Cent fällig. Wenn man also 100 Euro einzahlen und diese an so einem Automaten komplett verzocken würde, dann würden dafür statistisch gesehen 168 Euro Steuern anfallen. So könnte die fällige Steuer theoretisch sogar die Einnahmen des Unternehmens übersteigen.

100 Euro vollständig verspielt

Hohe Ausschüttungsquote, höhere Steuerlast

🏴‍☠️ Illegales Casino 97 % Ausschüttungsquote
Noch im Spiel 0 €

Nur 3 % bleiben pro Runde beim Casino. Das Geld wird deshalb besonders oft erneut eingesetzt.

Kumulierter Einsatz
ca. 3.333 €
Casino-Einnahme
100 €
Steuer
ca. 168 €

Die Steuer übersteigt die Casino-Einnahme.

Vereinfachte Modellrechnung. 93 % Ausschüttungsquote ist ein typischer Wert für lizenzierte deutsche Online-Slots.

Am 28. August 2026 wird Kalman mit all diesen Vorwürfen per E-Mail konfrontiert. Daraufhin meldete sich sein Anwalt. Dr. Nik Sarafi vertritt nicht nur Kalman sowie andere Akteure in der Glücksspielbranche, sondern auch andere Prominenz. Darunter den umstrittenen Influencer Kuchen.tv oder den Rapper Fler. Sarafi teilt mit, dass die Vorwürfe gegenüber Kalman haltlos seien und ich mich doch bitte mit den Kollegen vom NDR austauschen solle - „aus rechtlicher Vorsorge“.

Die hatten zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht Kalman konfrontiert, dafür unter anderem den Rapper Fler. Der in den sozialen Medien für in Deutschland illegale Casinos wirbt.

Sarafi gehört zu den Anwälten der Glücksspielindustrie, die seit Jahren versuchen, illegales Glücksspiel in Deutschland immer wieder als legal zu framen oder zumindest erheblichen Zweifel an der Illegalität zu säen. Zu den Argumenten zählt aktuell, den kompletten Glücksspielstaatsvertrag als ungültig zu erklären, weil es ein Urteil gibt, in dem ein Gericht den Spielerschutz durch Maßnahmen der Glücksspielbehörde als nicht ausreichend sichergestellt sah. Wenn man solche Argumentationen zu im Kern durchaus einfachen Sachverhalten liest, dann könnte man den Eindruck gewinnen, diese langen Ausführungen dienen primär dazu, nicht fachkundige Menschen zu verunsichern.

Am 9. September erscheint auf Tagesschau.de die Schlagzeile „Fast sechs Milliarden Euro mit illegalem Online-Glücksspiel umgesetzt“. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt verkündet, sie habe am Vortag eine Person festgenommen und Vermögenswerte in Höhe von 82 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Beschreibung passte auf Kalman.

Der Mann, durch dessen Leben man sich monatelang gewühlt hat. In Bilanzen. Durch Fotos im Privatjet und auf Partys in Malta und Cannes. Puzzlestücke aus öffentlichen und geheimen Registern zusammengefügt. Nächtelang.

Festgenommen. Verhaftet bei einer Großrazzia, an der über 100 Polizisten beteiligt waren.

Auch wenn sowohl Zahlen als auch Wohnort übereinstimmen, fehlt die offizielle Bestätigung der Staatsanwaltschaft. Also stehe ich am Freitag, den 11. September, vor Kalmans modernem Appartementhaus im Frankfurter Westend. Und klingle. Keine Reaktion.

Nach ein paar Minuten treffe ich einen Nachbarn. Er bestätigt die Hausdurchsuchung am Dienstag. Es sei viel aus der Wohnung mitgenommen worden. Auch Kalmans Lamborghini sowie ein weiteres Fahrzeug.

Zu Kalman selbst konnte er mir wenig sagen. Der sei nicht so oft dagewesen. Habe sich außer mal einem „Guten Tag“ auf dem Flur nicht an der Hausgemeinschaft beteiligt und es sei schon öfter im Haus die Frage aufgekommen, womit er eigentlich sein Geld verdiene. Darunter auch das Gerücht, er sei Musikproduzent.

An Kalmans Wohnungstür keine Spuren der Durchsuchung. Kein Name. Nur eine Lieferung von Feinkost-Käfer, die darauf wartet, hereingeholt zu werden.

Am 17. September 2026 veröffentlichte die Glücksspielbehörde eine Pressemitteilung, in der sie den Ermittlungserfolg begrüßt. Und bestätigt, dass sich die Ermittlungen gegen das Platincasino richten.


Der Songtitel „ANANI BACINI“ ist eine verkürzte Anspielung der türkischsprachigen Beleidigung „Ananı bacını sikeyim“ - „Ich ficke deine Mutter und deine Schwester“. Auch wenn KC Rebell und Summer Cem das mutmaßlich nicht so meinten, so „fickten“ sie mit ihrer Platincasino-Werbung durchaus ganze Familien. Denn die Millionen auf Kalmans Konto hat ja auch jemand verloren.

Kalman hat der Gesellschaft nicht nur mit dem Casino und der mutmaßlichen Steuerhinterziehung geschadet. Sondern auch damit, wie er sein Geld ausgibt. Denn mit mindestens 100.000 Euro Zuwendungen an die in Teilen gesichert rechtsextreme Partei AfD ist er einer ihrer Top-10 Einzelspender.

Katja Krasavice rappte in „FRIENDZONE“ eine andere Zeile über das Casino:

„Platincasino – ich bin hardcore reich.“